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RWI: Außenwirtschaft dämpft deutsche Konjunktur

Press release from 15 December 2016

Das RWI senkt seine Prognose des deutschen Wirtschaftswachstums für das Jahr 2016 gegenüber der Vorhersage vom September dieses Jahres leicht von 1,9 auf 1,8 Prozent, für 2017 geht es von 1,4 auf 1,2 Prozent zurück, für 2018 erwartet es weiter 1,6 Prozent. Die Konjunktur wird weiterhin von der Inlandsnachfrage getragen, während die Außenwirtschaft eher dämpfende Effekte auf die deutsche Wirtschaft hat. Die Arbeitslosenquote dürfte im nächsten Jahr 6,1 Prozent betragen und 2018 auf 6,4 Prozent steigen. Die Inflation dürfte im nächsten Jahr auf 1,5 Prozent, 2018 auf 1,6 Prozent anziehen. Die öffentlichen Haushalte werden 2017 und 2018 voraussichtlich Überschüsse von 9 und 6,5 Milliarden Euro erzielen.

Das RWI nimmt seine Konjunkturprognose für 2016 leicht auf 1,8 Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zurück. Im September waren 1,9 Prozent erwartet worden. Für 2017 senkt das Institut seine Prognose um 0,2 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent, für 2018 werden weiterhin 1,6 Prozent Wachstum erwartet. Der Wert sinkt zwischen 2016 und 2017 also um 0,6 Prozentpunkte, davon gehen allerdings 0,4 Prozentpunkte alleine auf eine geringere Zahl von Arbeitstagen zurück. „Die Konjunktur dürfte weiterhin von der Inlandsnachfrage getragen werden“, so RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn. Vor allem der anhaltende Beschäftigungsaufbau und solide Einkommenszuwächse verleihen der Binnenwirtschaft Dynamik. Sie stützen zusammen mit den günstigen Finanzierungsbedingungen den Konsum und den Wohnungsbau der privaten Haushalte. Von der Außenwirtschaft sind hingegen eher dämpfende Effekte zu erwarten, die Ausfuhren werden voraussichtlich deutlich schwächer zulegen als die Einfuhren. Auch der Staatskonsum wird im Prognosezeitraum voraussichtlich weniger stark zunehmen, weil die Zahl ankommender Flüchtlinge deutlich gesunken ist und entsprechend geringere Sachleistungen und Personalausgaben nötig sind.

Eckwerte der RWI-Konjunkturprognose Dezember 2016
Die Beschäftigung hat zuletzt spürbar langsamer zugenommen, insbesondere im Bereich der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Zugleich stieg die Anzahl der gemeldeten Stellen. „Offenbar passen die Profile der Arbeitsuchenden nicht zur Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften. Das dürfte im Prognosezeitraum die Zunahme der Erwerbstätigkeit bremsen“, so Döhrn. Die registrierte Arbeitslosigkeit wird in den kommenden Monaten wohl zunächst weiter sinken, dann aber allmählich ansteigen. Grund ist, dass mehr und mehr anerkannte Flüchtlinge nach Abschluss von Integrationsmaßnahmen zunächst als arbeitslos registriert werden, weil sie sich schwer tun, eine Arbeitsstelle zu finden. Die Arbeitslosenquote dürfte im nächsten Jahr unverändert bei 6,1 Prozent liegen und 2018 auf 6,4 Prozent steigen.

Inflation steigt, Budgetüberschuss des Staates sinkt

Die Inflationsrate dürfte im nächsten Jahr deutlich auf 1,5 Prozent und 2018 auf 1,6 Prozent zulegen, nach 0,4 Prozent in diesem Jahr. Der Anstieg liegt vor allem daran, dass die gesunkenen Energiepreise ihren Einfluss auf die Teuerung verlieren. Die Kerninflation, die die Teuerung ohne Energiepreise beschreibt, liegt derzeit bereits etwas über einem Prozent und wird wohl nur leicht anziehen.

Die öffentlichen Haushalte werden in diesem Jahr erneut einen Budgetüberschuss von etwa 16 Milliarden Euro bzw. 0,5 Prozent des BIP erzielen. Maßgeblich hierfür sind neben den konjunkturbedingt hohen Steuer- und Beitragseinnahmen auch die niedrigen Zinsen, die den Schuldendienst deutlich reduzierten. Im Jahr 2017 dürfte sich der Budgetüberschuss des Staates auf 9 Milliarden Euro bzw. 0,3 Prozent des BIP und im Jahr 2018 auf 6 Milliarden Euro bzw. 0,2 Prozent des BIP verringern. Insbesondere die Spielräume beim Haushalt, die sich durch den geringeren Schuldendienst ergeben, dürften jedoch nicht nachhaltig sein. Denn das Zinsniveau wird höchstwahrscheinlich nicht so niedrig bleiben, wie es derzeit ist.

(veröffentlicht in „RWI Konjunkturberichte“, Heft 4/2016)

 

Ihre Ansprechpartner dazu:    

Prof. Dr. Roland Döhrn            Tel. (0201) 81 49-262

Sabine Weiler (Pressestelle)              Tel. (0201) 81 49-213

Eckwerte zur RWI-Konjunkturprognose vom 15. Dezember 2016

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