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RWI: Außenwirtschaftliche Unsicherheit bremst deutsche Konjunktur

Press release from 19 June 2018

Das RWI senkt seine Prognose des deutschen Wirtschaftswachstums für das Jahr 2018 gegenüber März dieses Jahres von 2,4 auf 1,8 Prozent; für 2019 erwartet es statt 1,9 jetzt 1,5 Prozent. Ursachen hierfür sind erwartete schwächere Exporte, die durch das zunehmend protektionistische Umfeld belastet werden. Die Arbeitslosenquote dürfte bei nachlassendem Beschäftigungsaufbau von 5,3 Prozent in diesem Jahr nur wenig auf 5,2 Prozent im kommenden Jahr zurückgehen. Dabei wird eine Inflationsrate von 1,8 Prozent in diesem und 1,9 Prozent im kommenden Jahr erwartet. Die öffentlichen Haushalte werden 2018 und 2019 voraussichtlich Überschüsse von 41 und 27 Milliarden Euro erzielen.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Das RWI revidiert seine Prognose des deutschen Wirtschaftswachstums deutlich nach unten. Für das Jahr 2018 senkt es sie gegenüber März dieses Jahres von 2,4 auf 1,8 Prozent; für 2019 erwartet es statt 1,9 jetzt 1,5 Prozent. Die Gründe liegen im außenwirtschaftlichen Bereich: Die Exporte nahmen in den ersten Monaten dieses Jahres schwächer zu als ursprünglich angenommen, abnehmende Auftragseingänge aus dem Ausland lassen für die kommenden Monate wenig Besserung erwarten. Zudem dürfte das zunehmend protektionistische Umfeld die Exporttätigkeit weiter belasten. Die Einfuhren dürften aufgrund der stabilen Binnenkonjunktur aufwärtsgerichtet bleiben.
  • Am Arbeitsmarkt schlägt sich die für den Prognosezeitraum erwartete schwächere Konjunktur in einem verlangsamten Beschäftigungsaufbau und nur noch geringfügig sinkender Arbeitslosigkeit nieder. Insbesondere in der Bauwirtschaft und im Pflegebereich besteht zwar Arbeitskräftebedarf, er wird jedoch häufig durch Zuwanderung gedeckt. Die Arbeitslosenquote wird voraussichtlich nur noch leicht von 5,3 Prozent in diesem Jahr auf 5,2 Prozent im kommenden Jahr zurückgehen.
  • Die Inflation hat im Mai deutlich angezogen, auf 2,2 Prozent. Maßgeblich hierfür waren steigende Energiepreise aufgrund des höheren Rohölpreises. Für den Prognosezeitraum geht das RWI von einem real konstanten Rohölpreis aus. Entsprechend tragen die Energiepreise in diesem Jahr deutlich zum Preisauftrieb bei, im Jahr 2019 aber in abnehmendem Maße. Der binnenwirtschaftliche Preisauftrieb bleibt im Prognosezeitraum moderat. Die Inflation dürfte 2018 1,8 Prozent und 2019 1,9 Prozent betragen.
  • Der staatliche Budgetüberschuss dürfte in diesem Jahr um rund 3 Milliarden Euro auf gut 41 Milliarden Euro steigen. Grund dafür sind höhere Einnahmen durch die weiterhin gute Lage am Arbeitsmarkt. Im kommenden Jahr dürfte sich der Aufschwung am Arbeitsmarkt verlangsamen und damit auch die staatlichen Einnahmen etwas schwächer zunehmen. Zugleich sind eine Reihe expansiver finanzpolitischer Maßnahmen geplant. Der Finanzierungssaldo des Staates dürfte daher auf 27 Milliarden Euro sinken.
  • Der Aufschwung der Binnenwirtschaft ist intakt. Die Bauinvestitionen expandieren wohl weiterhin kräftig, und die privaten Konsumausgaben profitieren von einer voraussichtlich weiter zunehmenden Beschäftigung, kräftigeren Lohnerhöhungen und von 2019 in Kraft tretenden Abgabensenkungen sowie steigenden Transfers.

Zu den Auswirkungen internationaler Entwicklungen auf die deutsche Konjunktur sagt RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn: "Das außenwirtschaftliche Klima ist rauer geworden. Selbst wenn nur kleine Teile des deutschen Exports von den durch die USA verhängten Zöllen betroffen sind, dürfte das Aufkeimen des Protektionismus negativ auf das Exportklima wirken und Unternehmen vorsichtiger agieren lassen. Zusätzlich verunsichert sie die unklare Zukunft der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU."

(veröffentlicht in „RWI Konjunkturberichte“, Heft 2/2018)

 

Ihre Ansprechpartner dazu:
Prof. Dr. Roland Döhrn Tel. (0201) 81 49-262,
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel. (0201) 81 49-213,

Weitere Informationen zur RWI-Konjunkturberichterstattung: www.rwi-essen.de/forschung-und-beratung/wachstum-konjunktur-oeffentliche-finanzen/projekte/konjunkturdiagnose-und-prognose/.

Eckwerte zur RWI-Konjunkturprognose vom 19. Juni 2018

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