RWI in den Medien

CO2-Grenzwerte im Fokus

Das Parlament vom 02.07.2018

Der Vorschlag der EU-Kommission für eine Verordnung zur Verringerung der Kohlendioxidemissionen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen (KOM(2017) 676 endg.) hat im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit eine unterschiedliche Bewertung gefunden. Einigen Sachverständigen ging er nicht weit genug, andere kritisierten grundsätzlich den angepeilten Weg. Das ergab eine öffentliche Anhörung vergangene Woche.
Hubertus Bardt vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln meldete "erhebliche Zweifel an der Effektivität" des EU-Vorschlags an. Unter anderem kritisierte er, dass nur Neufahrzeuge berücksichtigt würden, "so dass keine Wirkung für aktuelle Bestandsfahrzeuge, das Fahrverhalten oder die Verkehrsmittelwahl erzielt werden kann".
Peter Gutzmer (Schaeffler AG) befand, dass batterieelektrische Fahrzeuge "nicht per se" die Kohlendioxidemissionen senkten: "Entscheidend ist der Strommix bei der Batterieproduktion und bei der Nutzung." Eine einseitige Fokussierung auf reine Elektromobilität erfordere "einen zeitgleichen massiven Ausbau der regenerativen Energieerzeugung und entsprechender Infrastruktur, insbesondere Speicherung, Netzausbau und Ladeinfrastruktur".
ADAC-Vertreter Reinhard Kolke stufte ambitionierte Kohlendioxid-Grenzwerte als "wichtig für den Schutz von Umwelt und Ressourcen" ein. Indes bleibe die EU-Kommission mit ihrem Verordnungsvorschlag "hinter den Erwartungen des ADAC zurück".
Unambitioniert Gregor Kolbe (Verbraucherzentrale Bundesverband) nannte den EU-Entwurf einen "wichtigen Beitrag, den Treibhausgasausstoß des Verkehrssektors zu senken", der aber hinter den Erwartungen zurückbleibe. So fordere der Verband "ein deutlich ambitionierteres Reduktionsniveau".
Manuel Frondel (RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung) machte sich dafür stark, die Kohlendioxidemissionen von Autos in den Emissionshandel mit einzubeziehen statt Standards vorzugeben.
Peter Mock (The International Council on Clean Transportation - icct) legte dar, dass laut Vorschlag der EU-Kommission die durchschnittlichen Kohlendioxid- Emissionen neuer Pkw bis 2025 auf 81, bis 2030 auf 67 Gramm pro Kilometer sinken müssten - durchschnittlich 3,9 Gramm Reduktion pro Jahr. Dabei verlange schon die aktuelle Regelung (2016 bis 2021) eine Minderung von 5,1 Gramm: "Somit ist der Kommissionsvorschlag weniger ambitioniert als die bisherige Regelung, obwohl mit zunehmender Elektrifizierung der Fahrzeugflotte weitaus größere Reduktionen als bislang allein mit Verbrennungsmotoren möglich werden.

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