RWI in den Medien

Tankstellen geben Preisanstiege langsamer an Kunden weiter

Seit 2013 müssen Tankstellen in Deutschland jede Preisveränderung an eine Markttransparenzstelle melden. Eine noch unveröffentlichte Studie zeigt, dass sie seither ihre Preise anders setzen – und Autofahrer davon profitieren.

WirtschaftsWoche.de vom 01.09.2019

Wenn Autofahrer günstig tanken wollen, reicht meist ein Blick auf die Vergleichsportale wie Clever-Tanken.de, Spritpreismonitor.de oder auf das Portal des ADAC. Vorbei sind die Zeiten, in denen man sämtliche Tankstellen in der Nähe abfahren musste. Seit 2013 sind alle Tankstellenbetreiber in Deutschland verpflichtet, Preisänderungen zeitnah an eine so genannte Marktransparenzstelle zu melden, die die Daten wiederum an die Portale weiterleitet. Das soll den Wettbewerb zwischen den Betreibern stärken und die Transparenz erhöhen.

Eine noch unveröffentlichte Studie von Wissenschaftlern des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt nun, dass die Tankstellenbetreiber seither tatsächlich ihr Preissetzungsverhalten geändert haben. Und zwar zugunsten der Verbraucher.

2011 hatte das Bundeskartellamt festgestellt, dass es im Tankstellengeschäft ein marktbeherrschendes Oligopol der fünf größten Betreiber gab. Insgesamt besaßen sie einen Marktanteil von rund 70 Prozent. Darüber hinaus wurde bekannt, dass alle großen Mineralölkonzerne ein spezielles Beobachtungs- und Meldesystem installiert hatten, um die Preise der Konkurrenz zu beobachten und ihre eigenen dementsprechend anpassen zu können. Für die Autofahrer bedeutete das hohe Benzinpreise, besonders am Wochenende oder vor den Ferien.

Manuel Frondel, Professor für Energieökonomik an der Ruhr-Universität Bochum, hat nun mit seinen Kollegen Marco Horvath, Colin Vance und Alexander Kihm empirisch untersucht, ob Tankstellenbetreiber weiterhin nach dem „Raketen und Federn“-Phänomen agieren, das auf den Ökonomen Robert Bacon zurückgeht. Demnach passen Tankstellen ihre Preise bei einer Ölpreissteigerung schnell an, geben sinkende Ölpreise hingegen nur langsam an die Verbraucher weiter. Für ihre Studie „Increased Market Transparency in Germany’s Gasoline Market: What about Rockets and Feathers?“ (Ruhr Economic Papers 810) haben die Ökonomen die täglichen Benzinpreise von mehr als 5000 Tankstellen über zwei Zeitintervalle hinweg untersucht. Und zwar zum einen von Januar 2012 bis November 2013, also vor der Einführung der Markttransparenzstelle. Und zum anderen von Januar 2014 bis November 2015.

Das Ergebnis: Vor Ende 2013 gestalteten die Tankstellen ihre Preise entsprechend des „Raketen und Federn“-Prinzips. Nach der Einführung der Pflicht, Preisänderungen zu melden, gaben die Tankstellen sinkende Ölpreise hingegen schneller an ihre Kunden weiter. Zugleich passen sie seither ihre Preise bei einem Kostenanstieg langsamer an – und das gilt unabhängig davon, ob es sich um eine Markentankstelle oder eine unabhängige Tankstelle handelt. „Auch wenn wir dem Preisportal keinen definitiven kausalen Effekt zuschreiben können, lassen die Ergebnisse sehr stark vermuten, dass dessen Einführung positiven Einfluss auf das Wohl der Verbraucher hatte“, schreiben die Studienautoren.

Die Ökonomen rechnen vor: Bei einem täglichen Verbrauch von sechs Litern Benzin sparen Verbraucher bei einem Preisanstieg von einem Cent je Liter Raffinerieöl gegenüber früher über den Preisanpassungsprozess hinweg 8,77 Cent – eben weil der Preisanstieg langsamer an die Kunden weitergegeben wird.

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